Konkrete Fragen zum Terror

Über eine Woche hat es gedauert, bis in den Medien das Ausmaß des anfangs Döner-Morde genannten rechten Terrors angekommen ist. Jetzt hat es Günter Jauch aufgegriffen – und dabei eine gute Figur abgegeben.

Günther Jauch hat wenig über Konzepte geredet, bevor er den Sonntagabend in der ARD übernahm. Doch die Handschrift war schnell sichtbar: Hin zu mehr Magazin - weg vom krawalligen und letztlich unfruchtbaren Talk mit am Ende nicht mehr artikuliertem Streitgehabe. Im Fall des Braunen Terrors bietet Jauch mit seinem Konzept Nährwert.

So steigt Jauch mit einem Porträt von Gamze Kubasik ein. Sie ist die Tochter eines der neun ermordeten, türkisch- oder griechischstämmigen Einzelhändler. Damit holt er das Thema aus dem Abstrakten und macht es den beiden anwesenden Politikern schwerer, sich der üblichen, Talkshow tauglichen Sprachklischees zu bedienen – Grünen Bundesvorstand Cem Özedemir und Bayerns Innenminister Joachim Hermann (CSU) bilden die Pole Warnung und Beschwichtigung vor rechtem Terror.

Jauch hält seine Erfolgsstrategie durch. Vor allem im Umgang mit Manuel Bauer. Der hat als Nazi selbst Gewaltverbrechen begangen und ist mittlerweile aus der Szene ausgestiegen. Jauch stellt Bauer konkrete Fragen wie: „Gab es bei den ermittelnden Polizisten Sympathien gegenüber der rechten Szene?“ Hätten diese sogar mal die Nazis mit Informationen versorgt? Bauers erschütternde Antwort: Ja. Der Nazi a.D. führt aus: Die rechte Szene diskutiere deshalb über die Parole „Taten statt Worte“, weil ihre Mitglieder das Gefühl hätten, große Teile der Gesellschaft teilten ihre Ansichten, ohne dass sich die aus ihrer Sicht gewünschten Veränderungen einstellen.  

Hermanns Job wäre eigentlich, solche Aussagen zu beschwichtigen, nach den üblichen Mustern: Neben dem Rechtsextremismus müsse genauso der Linksextremismus gesehen werden wie ja auch der islamistische. Die Gesellschaft dürfe sich das nicht gefallen lassen. Und in ihrer großen Mehrheit stehe sie ja gegen die Nazis.

Hermann versucht es. Doch auch da funktioniert Jauch. An der Stelle bringt er Birgit Lohmeyer ins Spiel. Sie lebt mit ihrem Mann in einem Dorf in Mecklenburg Vorpommern, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann gegen eine Mehrheit aus teils gewaltbereiten Rechtsextremen Stand hält. In einem Einspieler laufen die beiden verängstigt durch eine Dorfstraße. Das Bild spricht für sich.

Ohnehin zeigt Hermanns Auftritt, wie die politische Rechte vom braunen Terror überrascht wurde und dass ihr noch die Sicherheit in der Argumentation fehlt. Schließlich hatte die Union im Verbund mit ihrer Hauspostille Bild-Zeitung gerade ganz anderes geplant - eine Debatte über Linksextremismus vorbereitet, Familienministerin Kristina Schröder etwa Initiativen gegen Rechts unter Generalverdacht gestellt: Wenn eine Initiative nicht eine obskure Erklärung unterschreibt, auch nicht in den Verdacht undemokratischer Gesinnung zu geraten, kann sie keine Zuschüsse mehr erhalten.

Auch die Verstrickung des Verfassungsschutzes in den braunen Terror wird bei Jauch soweit wie möglich angesprochen. Doch auf schnelle Aufklärung dürfe man nicht zu sehr hoffen. Ermittlungen bei Beteiligung des Verfassungsschutzes seien schwierig und gelängen nicht lückenlos. Es ist kein Verschwörungstheoretiker, der das sagt, sondern der Generalstaatsanwalt von Brandenburg, Erardo Rautenberg.

Letztes Thema bei Jauch: Das NPD Verbot, das jetzt gefordert werden wird. Auch da bricht Jauch mit dem Mainstream. Er lässt aus der Runde die Vorteile eines Verbotes aufzählen, etwa das Geld, das aus der Szene gezogen würde. Ebenso thematisiert Jauch die Probleme mit den V-Leuten, die das erste Verbotsverfahren zum Scheitern haben bringen lassen. Aber er lässt einen Tagesspiegel-Journalisten sagen, was die eigentliche Funktion einer solchen Debatte wäre: Von Problemen ablenken.