Wag the Dog mit Robert de Niro

Robert de Niro, Dustin Hoffman, Anne Heche, Woody Harrelson oder Kirsten Dunst. Angesichts der Besetzung ist es verwunderlich, dass der Film "Wag the Dog" so wenig bekannt ist. Zumal es nicht viele Filme gibt, die so klug das Wechselspiel zwischen Politik, Showgeschäft und Medien darstellen.

 

Eine Affäre fliegt auf. Der Präsident. Mit einer minderjährigen Pfadfinderin. Im Weißen Haus. Zwei Wochen vor der Wahl. Was bleibt dem Staatsoberhaupt der USA anderes als ein sofortiger Rücktritt? Er verpflichtet "Conrad Brean". Der soll ihm die Wahl retten. Ob er wirklich Conrad Brean heißt? Egal. Denn nichts ist, wie es scheint. Aber so wie es scheint, so ist es. Das ist die Moral von "Wag the Dog". 

Brean alias Robert de Niro weiß, was der Präsident jetzt braucht, um die Wahl noch zu gewinnen: einen Krieg. Und da gerade keiner verfügbar ist, erfindet er einen. Gegen Albanien.

"Warum Albanien?"

"Warum nicht?"

"Aber wir wissen nichts über Albanien."

"Eben."

Solche Dialoge, wie sie de Niro mit der Präsidenten-Beraterin Winifred Ames (Anne Heche) führt, sind die Würze in "Wag the Dog". Das Fleisch ist das Zusammenspiel de Niros mit Dustin Hoffman. Der gibt Stanley Motts. Einen Hollywood-Produzenten mit großer Erfahrung - und noch größerem Ego. Motts soll für den Präsidenten den fiktiven Krieg inszenieren. Und nach kurzem Zögern tut er das. Jetzt nimmt der Film an Fahrt auf.

Es entstehen Kriegsberichte, mit denen die Fernsehsender versorgt werden. Ikonische Bilder, die den Krieg symbolisieren. Ein altes Lied taucht auf. Zufällig, so scheint es zumindest. Der Song passt natürlich genau in die Situation und gibt den Menschen Mut. Aber der Krieg wird nicht nur inszeniert. Sondern auch vermarktet. Eine ganze Industrie springt darauf an, an den Heldentaten der Soldaten mit zu verdienen.

Großartig wie weit die Darsteller in den Nebenrollen bereit sind, ihr Image zu dekonstruieren. Willy Nelson gibt einen versoffenen Country-Sänger, der patriotische Schnulzen schreibt, die zum Soundtrack des Kriegs werden. Zum Niederknien, wie er Stars versammelt, die zusammen "We save the american border" schmettern. Dann ist die Aufnahme im Kasten, aber aufgrund aktueller Entwicklungen nicht mehr zu gebrauchen. Nelson weiß davon noch nichts. Wir sehen, wie er aus dem leeren Studio schleicht, die Jacke auf dem Rücken - de Niro und Hoffman tauchen auf dem  Balkon des Studios auf:

"Wo willst Du hin?"

"Saufen." 

"Das geht nicht. Wir brauchen einen neuen Song."

"Ach... Scheiße!" 

Williy Nelsons Rolle heißt Johnny Dean. Aber das ist völlig belanglos. Er gibt viel von seinen eigenen Erfahrungen in den Film. Jim Belushi spiel sich gleich selbst: Einen Albaner, der sich nun als solchen outet, aber sein "Volk" auffordert, die Angriffe auf die USA zu unterlassen. Gratis Sympathiepunkte für ihn. Gratis PR sowieso. Nichts ist, wie es scheint. Aber so wie es scheint, so ist es.

Komödien leiden oft unter mangelhafter Dramaturgie. Manche, selbst gute, verkommen zu reinen Sketchshows. Das passiert Regisseur Barry Levinson und den Drehbuchautoren in Wag the Dog nicht. Immer wenn die Situation sich zu klären scheint, nimmt die Handlung einen neuen Verlauf, entstehen neue Spannungsbögen und folgen absurde Wendungen. Woody Harrelson taucht spät im Film auf, aber arbeitet sich mit einer Spiellust ins Gedächtnis des Zuschauers, wie er sie nach "Cheers" eigentlich sonst nie wieder gezeigt hat.

"Wag the Dog" ist 1997 ins Kino gekommen. In Deutschland war es ein Flop. Vielleicht wegen der richtigen, aber trotzdem unglücklichen Übersetzung des Titels in "Wenn der Schwanz mit dem Hund wackelt". Die Affäre um Bill Clinton und seine Praktikantin Monika Lewinsky wurde erst später publik. Die Gerüchte, dass die Verantwortlichen davon wussten, werden aber wohl nie abreißen. Auch wegen der Art, in der de Niro den Ort beschreibt, an dem die Affäre zwischen Präsident und Pfadfinderin stattfand: "Kennen Sie diesen kleinen Raum neben dem Oval Office?" 

Wag the Dog ist unter anderem über Amazon prime erhältlich.