Die Pommes des Fernsehens

Mit dem Finale der Champions League ist die Fußball-Saison vorbei und ein fußballloser Sommer beginnt. Nur unterbrochen von den deutschen Länderspielen gegen Dänemark und San Marino. Und natürlich vom Confederation Cup. Und der Frauen-EM. Und der von der U21-EM. Oder waren das WMen? Egal. Denn Fußball ist beliebig geworden.

 

 

Am 6. September startet die reguläre Saison der NFL. Football-Fans in aller Welt haben jüngst gepostet, dass es „nur noch“ 100 Tage bis zum ersten Kickoff sind. So gieren sie nach vier Monaten Pausen auf den neuerlichen Start.

 

Dieser Gier sind Fußballfans entwöhnt. Selbst im Sommer werden sie keine Woche ohne ihren Sport auskommen müssen. Zumal dritte Programme und Sport 1 das Angebot noch ergänzen um die Kicks diverser Altherren-Teams sowie um Vorbereitungsspiele und medial aufgeblähte Telekom- oder Fujicups. Es gilt daher: Die Saison beginnt nicht – sie wird fortgesetzt.

 

Fußball ist zu den Pommes Frites der Fernsehunterhaltung geworden: Beliebt, durchaus. Aber immer erreichbar und daher nicht mehr wirklich wert geschätzt. Und irgendwann – gerade im Sommer – stellt sich das Gefühl der Übersättigung ein. Selbst Fußballprofis wie der Mainzer Verteidiger Stefan Bell merken mittlerweile an, dass es zu viel Angebot gebe. Er schaue sich daher längst nicht mehr jede Partie an.

 Elf Freunde?

Die Zahlen geben keine Krise des Fußballs her: Besucherschnitte und TV-Quoten sind nach wie vor hoch.  Doch der Sport ist in eine Erzählkrise geraten: Bayern wieder mal Meister, eintrainierte Floskeln angestrengt vorgetragen statt Interviews und seelenlose Teams wie Bayer Leverkusen oder VfL Wolfsburg – das alles macht nur noch wenig Spaß.

 

Ein anderes Beispiel ist die Europameisterschaft 2016.  Was ist von der in Erinnerung geblieben? Das dramatische Elfmeterschießen gegen Italien vielleicht, der Jubel der Isländer, der im Finale verletzte Ronaldo oder die Motte, die sich während der Behandlung auf sein Gesicht setzte.

 

Mit dem Sport an sich hat nur eine der vier genannten Erinnerungen zu tun. Und Hand aufs Herz: Wer kriegt noch ohne nachzuschauen die drei deutschen Vorrundengegner und die dazu passenden Spielergebnisse hin?

 

Die Topspieler haben mittlerweile jedes Jahr über 50 Spiele zu bestreiten. Da sind die Fujicups und China-PR-Reisen dieser Welt noch nicht mitgezählt.  Bei den Turnieren sind viele Stars verletzt oder außer Form. Das beste Beispiel ist der Münchener Thomas Müller, dem der geneigte Zuschauer schon seit einem Jahr zurufen will, mach doch mal vier Wochen Pause! So entsteht das Gefühl, dass nicht das beste Team ein Turnier gewinnt – sondern das mit dem glücklichsten Formkurven-Verlauf.

 

Das Ereignis verliert an Qualität und Bedeutung. So wie Pommes in der Kantine. Bell ist nicht der einzige, der nicht mehr immer zugreift. Und da Vereine und Verbände die Kuh noch mehr melken wollen, neue zusätzliche Formate entwickeln oder alte aufpumpen, wird sich der Trend mutmaßlich verstärken.

 

Das Fußball-Publikum wird sich dann in die teilen, die sich gerne jeden Tag mit dem Gleichen sättigen lassen wollen und die anderen. Diejenigen, die wegbleiben bis zu dem Moment,  in dem sie mal wieder so richtig Heißhunger auf Pommes bekommen.