Nachrichten auf GMX

Jugendliche lesen im Internet keine Nachrichten mehr. So die Mär. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Das Internet ist voll mit Nachrichten. Nur differiert die Qualität der Anbieter deutlich.

In den Hitlisten der Klickzahlen liegen in Deutschland drei Gruppen vorne: Die beiden Netz-Marktführer der alten Medien, Spiegel und Bild, die sozialen Netzwerke und die Provider. Wer sich auf GMX oder T-Online zu seinen Mails vorarbeitet, der passiert auch ein Nachrichten-Angebot, das dem Titelblatt einer klassischen Zeitung nicht unähnlich ist. Zumindest im positiven Fall.

Der positive Fall heißt T-Online. Der größte deutsche Anbieter offeriert seinen Kunden eine gute Übersicht über das Tagesgeschehen. Die allermeisten Artikel stammen von Nachrichtenagenturen. Der Nachteil: Die Geschichten sind nur bedingt darauf angelegt, lesefreundlich zu sein. Dafür sind sie in aller Regel solide recherchiert und verständlich aufbereitet.

Weniger erfreulich ist, was GMX seinen Nutzern zumutet. Zwei Drittel des Angebots der Startseite besteht aus Werbung. Den Kunden verkauft GMX das als „Angebot unserer Partner“, was suggeriert, hier handele es sich um etwas anderes als Werbung: Ein Schnäppchen oder gar ein Gefallen, den die Partner nur der exklusiven Gemeinschaft der GMX-Kunden zukommen lassen wollen.

Aber auch im redaktionellen Teil führt GMX die Leser gerne an der Nase rum. Die Teaser halten nicht, was sie versprechen: So ging es am 7. März um eine Folge der RTL-Doku „7 Tage Sex“. Die war am Vortag kurzfristig und ohne Erklärung abgesetzt worden. „Jetzt ist bekannt, warum“, kündigt GMX auf der Seite an, auf die Nutzer nach dem Ausloggen geleitet werden. Die Wahrheit scheint nur noch einen Klick entfernt.

Doch der Haupttext enttäuscht. Dort zählt GMX mögliche Gründe für die Nicht-Ausstrahlung auf. Um dann aber mitzuteilen: „Der wirkliche Grund ist ein anderer.“ Okay. Und welcher? „Nähere Informationen wollte RTL aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen.“ Mit anderen Worten: GMX weiß gar nichts. Der Provider hat es nur seinen Kunden vorgegaukelt, um einen Klick mehr zu generieren.

Ein Spiel, an dem GMX viel zu liegen scheint. Am liebsten spielt der Provider dies mit Servicegeschichten. Dort verspricht GMX gerne Wissen um Dinge, die wohl alle Kunden gerne hätten: Guter Sex, erfolgreiche Diäten oder guter Sex. Das lässt sich in zehn Tipps aufschlüsseln, was wiederum zehn Klicks bedeutet.

Zugegeben. Wenn es bahnbrechend Neues aus der Welt des Sexes gäbe, dann wäre das eine Nachricht wert und dann sollten das wenigstens alle Erwachsenen wissen. Nur so richtig tut sich da ja wenig.

Und so verbreitet GMX gerne Tipps wie: Nehmen Sie Zeit für die Liebe, ernähren Sie sich gesund und wählen Sie ein angenehmes Ambiente. Joh. Das ist ja jetzt nicht ganz verkehrt. Nur sollte die Regel doch lauten: Gib keine Tipps, von denen niemand annimmt, dass nicht auch das Gegenteil richtig sein kann.  

In den echten Nachrichten hinkt GMX T-Online deutlich hinterher. Wer sich auf diesen Provider verlässt, riskiert halt doch, vom Nachrichtenfluss abgeschnitten zu sein.