Die Maggi-Krise

Saarländer im Exil, Teil 1: Es gibt viele Vorurteile gegenüber Saarländern, die völlig aus der Luft gegriffen sind. Ein Beispiel: Über jedes Essen kippen sie Unmengen von Maggi. Das gehört nicht dazu. Denn das tun sie wirklich. Östlich von Homburg kann das heikel werden.

Die Schweizer bilden sich etwas auf die Vielfalt in ihren Geschäften ein. Und es ist ja auch ganz nett da einzukaufen – etwa Schokolade. Mit Glenfiddich gefüllt gibt es die in Thalexweiler tatsächlich nicht zu kaufen. Aber was nutzt das alles, wenn die zentralen Fragen der Grundversorgung nicht geklärt sind? „Maggi“ schaut mich die Schweizerin an, als würde ich unverständlich reden. Die hat’s nötig.

Immerhin: Sie ist um Dienstleistung bemüht. Würden in Deutschland sich die Verkäuferinnen längst genervt abwenden, durchforstet die Eidgenossin ihr Lager und kehrt mit Stolz im Gesicht und Brühwürfeln in der Hand zurück. Ja, das ist von Maggi. Aber nicht Maggi. Das Einswerden von Marke und Produkt funktioniert nur bei der goldbraunen Brühe, die weniger poetische Geister als Gewürzmischung titulieren.

Die Beschaffungs-Engpässe sind das größte Problem, wenn ein Saarländer auf Reisen ist. In einer neuen Stadt angekommen, checke ich immer die Supermärkte. Und erst wenn ich das gelb-rote Logo und den Olivia-Oil-Hals sehe, fühle ich mich wirklich angekommen.  

Dabei ist das längst nur noch Placebo. Denn als Saarländer mit nun 13 Jahren Routine im Exilleben verlasse ich mich längst nicht mehr darauf, dass Städte wie Bottrop oder Delmenhorst ihre Pflicht zur Maggi-Versorgung ernst nehmen. Deswegen sorge ich mich auf längeren Reisen selbst um meine Glutamat-Zufuhr. Die 250-Gramm-Flasche eignet sich als treuer Begleiter.

Auch für Restaurants. Oder für Kantinen. Dort wehrte mich neulich ein Kellenbulle ab und belehrte mich, es sei eine Beleidigung des Kochs, das Essen mit Maggi zu würzen. In Restaurants mit Niveau sei das nicht üblich. Erstens: Hätte die Küche Niveau, wäre sie schon mit Maggi angemacht. Zweitens: Hätte der Service Gespür, wüsste er um den notwendigen psychologischen Effekt beim Kunden, wenn das Essen mit goldbraunen Sprengeln bereichert wird. Und Drittens: Du stehst an einem Kantinenausschank und hast eine Kelle in der Hand, gastronomische Topkarrieren sehen anders aus.

Die nahe liegende Lösung scheitert: ein Flachmann für Maggi. Pflanzliches Eiweiß, Weizenprotein und Dinatriuminosinat vertragen sich nicht sonderlich gut mit Metallbeschichtungen – gibt nur Sauerei und einen komischen Eigengeschmack. Gäbe es noch die Möglichkeit des Plastikflachmanns. Nur geht das nicht. Denn mal ehrlich, so viel Stil muss ja wohl sein.